Grohnde stilllegen!

Durch Probelauf von defekter Pumpe: 20kg Metallspäne im Kühlkreislauf des AKW Grohnde

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Angeblich will E.ON am heutigen Montag den 13.6.2016 das AKW Grohnde wieder anfahren. Atomkraftgegner*innen hoffen, dass die Erlaubnis dazu nicht erteilt wird, denn es sind schwerwiegende Probleme und leichtfertiges Handeln im AKW bekanntgeworden.

Bei einer Aktion in Hameln Mitte Mai wurde der Niedersächsische Umweltminister Wenzel zur Offenlegung der Hintergründe der Defekte im AKW aufgefordert. Nun gehen aus einem Dokument aus dem Umfeld des Umweltausschusses in Niedersachsen mehr Details zum "meldepflichtigen Ereignis" hervor:

Erst ein defekter Pumpen-Schalter, dann eine defekte Pumpe, dann 20 Kilo Metallabrieb beim "Probelauf", verteilt im radioaktiven Primärkreislauf. "Try and Error" statt vorsorglicher Inspektion im Atomkraftwerk.

Eine Anhörung zum Schaden im AKW, die eigentlich am 13.6. im niedersächsischen Umweltausschuss stattfinden sollte, wurde auf August vertagt. Wir fordern: Das AKW muss jetzt stillgelegt werden! Viele Fragen der Regionalkonferenz "Grohnde abschalten" zur Sicherheit im AKW Grohnde sind weiterhin unbeantwortet.

Hier der vorliegende Text "Unterrichtung des AfUEuK über das meldepflichtige Ereignis im KWG während der Revision 2016" vom 31. Mai 2016:

Das KWG wurde am 02.04.2016 zur jährlichen Anlagenrevision mit Brennelementwechsel abgefahren. Die geplanten Arbeiten und Prüfungen waren dem Umweltministerium entsprechend den Auflagen der Betriebsgenehmigung rechtzeitig zur Bewertung vorgelegt und ein Zeitbedarf von 14 Tagen eingeplant worden. Nach ordnungsgemäßem Abschluss aller angezeigten Arbeiten, von dem sich das Aufsichtsreferat überzeugt hat, wurde am Abend des 18.04.2016 die Zustimmung zum Wiederanfahren des KWG erteilt. Ein kurz zuvor aufgetretenes Einschaltversagen einer der vier Nachkühlpumpen, das nach der Verordnung über den kerntechnischen Sicherheitsbeauftragten und über die Meldung von Störfällen und sonstigen Ereignissen (AtSMV) meldepflichtig war, stand aus der Sicht der Aufsichtsbehörde dem Wiederanfahren nicht entgegen.

Nach Austausch eines Leistungsschalters ließ sich die Pumpe wieder ordnungsgemäß einschalten. Zur Ursachenklärung sollte der Schalter beim Hersteller eingehender untersucht werden, da der Fehler auf dem Prüfstand des KWG nicht erneut auftrat. Die mechanische Überprüfung der Pumpe hatte keine Auffälligkeiten wie z.B. Schwergängigkeit ergeben. Die Pumpe wurde mit einer Zusatzinstrumentierung zur Messung der Stromaufnahme ausgestattet und einem zweistündigen Probelauf unterzogen. Weil der Probelauf ordnungsgemäß verlief und auch die Stromaufnahme ohne Auffälligkeit war, gab es keinen Anlass für weitere Inspektionen. Da keine Zweifel an der Betriebsbereitschaft des Nachkühlstranges bestanden, konnte die Zustimmung zum Wiederanfahren erteilt werden.

Erst die am Morgen des 19.04.2016 registrierte erhöhte Stromaufnahme der Pumpe war Anlass für eine erneute Überprüfung. Zu diesem Zeitpunkt war die Anlage noch im Wiederanfahrprozess im Zustand „unterkritisch“. Diesmal wurde eine Schwergängigkeit festgestellt und die Pumpe daraufhin inspiziert. Über diesen Sachverhalt und alle weiteren Schritte wurde die Aufsichtsbehörde umgehend informiert. Bei der Inspektion der Pumpe ist eine gelöste Laufradmutter vorgefunden worden, die zur Schädigung von Pumpenwelle, Laufrad und Leitapparat mit Materialabtrag geführt hat. Das Ereignis wurde am 22.04.2016 gemäß AtSMV gemeldet (Kategorie N, INES 0). Das Ereignis hatte keine Auswirkungen auf den Anlagenbetrieb und die Umgebung, hat aber zur Verlängerung des Revisionszeitraumes geführt.

Aufgrund des Materialabtrages von ca. 20 kg sind umfangreiche und zeitaufwändige Maßnahmen erforderlich geworden, die das Ziel haben, das abgetragene Material sowohl aus dem Nachkühlsystem als auch aus dem Bereich wieder zu entfernen, in den die Pumpe seit dem Schadenseintritt gefördert hat. Dafür musste zum Beispiel der Reaktordruckbehälter wieder geöffnet und alle Brennelemente wieder entladen werden. Der Zeitbedarf für diese Arbeiten konnte zu Beginn nicht genau eingeschätzt werden. Aus diesem Grund hat der Betreiber den in seinen Presseinformationen genannten frühesten Zeitpunkt für das Wiederanfahren mehrfach angepasst, zuletzt ist hierfür der 13.06.2016 genannt worden. Es ist jedoch möglich, dass sich auch dieser Termin noch verschiebt.

Alle Arbeiten im Zusammenhang mit dem Vorkommnis werden vom Umweltministerium als zuständiger Aufsichtsbehörde und den zugezogenen Sachverständigen überwacht. Das schließt auch die Bewertung der Ursache und die erforderlichen Prüfungen der Übertragbarkeit auf andere Pumpen und die Festlegung der Vorkehrungen gegen Wiederholung ein. Das Umweltministerium hat zudem einen externen Sachverständigen zu generischen Fragen beauftragt. Das Wiederanfahren bedarf einer erneuten Zustimmung. Diese wird erst erteilt, wenn alle Fragen der Aufsichtsbehörde, die dem Betreiber am 22.04.2016 zur Aufarbeitung des Ereignisses gestellt wurden, abschließend beantwortet sind und alle Prüfungen gezeigt haben, dass sich die Anlage wieder in einem ordnungsgemäßen Zustand befindet. Fachlich zuständige Vertreter des Umweltministeriums haben an der Sitzung des zuständigen Ausschusses der Reaktorschutzkommission teilgenommen, in der das Ereignis behandelt wurde. Weitergehende Fragen haben sich in der dortigen Diskussion nicht ergeben."


"Ökostrom.STADT + Graustrom.ENDE" beim "Stadtradeln" dabei, jetzt mitmachen!

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Das Team "Radeln für Ökostrom.STADT + Graustrom.ENDE" sammelt seit Samstag dem 11.6.2016 für 3 Wochen Fahrradkilometer beim „STADTRADELN Bielefeld 2016“.

Die von 779 Menschen unterstützte Petition wird bald im Hauptausschuss der Stadt Bielefeld besprochen. Bis dahin wollen wir noch Gespräche mit Politiker*inner führen. Zuerst aber: Jetzt auf der STADTRADELN-Webseite registrieren und gefahrene Kilometer im Radelkalender eintragen. Macht mit! Die Spielregeln erklären, wie es funktioniert.

STADTRADELN ist eine seit 2008 stattfindende und nach Nürnberger Vorbild weiterentwickelte Kampagne des Klima-Bündnis, dem größten kommunalen Netzwerk zum Schutz des Weltklimas.

Da die Stadtwerke Bielefeld bislang aber planen, ab 2018 die Klimaziele zu verfehlen und nicht auf Atom- und Kohlestrom zu verzichten, ist es wieder mal ein passender Anlass um mit unserer „Anregung“ für die lokale Energiewende präsent zu sein.

Am Sonntag den 12.6.2016 war bei der Auftakt-Sternfahrt in den Nordpark auch der „Ökostrom.STADT + Graustrom.ENDE“-Fahrrad-Anhänger wieder im Einsatz. Die angemeldete Fahrrad-Demo-Route führte auch über den Ostwestfalen-Damm!


Stadtwerke Bielefeld verlieren wegen AKW Ökostrom-Siegel

Während Parteien und Verwaltung im Bürgerausschuss eine Ausschreibung bei Umstellung des städtischen Strombezuges auf Ökostrom kritisch sehen und diesen von den Stadtwerken beziehen wollen, teilt das Ökostrom-Label "OK-Power" mit, dass die Stadtwerke Bielefeld ihre gehandelten Wasserstrom-Tarife ab 2017 nicht mehr über "ok-power" zertifizieren können. Auf Nachfrage bestätigte dies eine Mitarbeiterin des Öko-Labels:

"Aufgrund der von Ihnen genannten Beteiligung der Stadtwerke Bielefeld am AKW Grohnde läuft die ok-power-Zertifizierung des Anbieters zum 31.12.2016 aus. Aufgrund eines gewährten Bestandsschutzes gilt für die Stadtwerke bis dahin der Kriterienkatalog 7.4. Mit Inkrafttreten der Kriterien V 8.0 seit dem 1. Januar 2016 gelten für zertifizierte Anbieter ab dem 01.01.2017 auch die Mindestkriterien, die die Stadtwerke Bielefeld derzeit leider nicht erfüllen."

Die Pressemitteilung aus 2015 erläutert die Hintergründe:

"Anbieter, die an Atom- oder Braunkohlekraftwerken mittel- oder unmittelbar beteiligt sind, können ihre Ökostromprodukte nicht mit ok-power zertifizieren lassen. Somit werden Ökostromprodukte zukünftig nicht mehr unabhängig von dem Verhalten des Anbieters zertifiziert. „Damit tragen wir dem Umstand Rechnung, dass Versorgungsunternehmen nach 15 Jahren Energiewende inzwischen ausreichend Zeit hatten, sich von umweltschädlicher Erzeugung zu verabschieden“, so Veit Bürger."

Der Stadtrat hat 2011 in seinen Beschlüssen zum weiteren Mitbesitz des AKW hervorgehoben, dass dies aus Verantwortungsbewußtsein geschehen soll. Allerdings ist bisher nicht bekannt, dass die Stadt oder die Stadtwerke sich für eine verbesserte Sicherheit oder schnellere Stilllegung des AKW eingesetzt hätten. Augenscheinlich hofft man weiter auf Einnahmen durch Wegfall der Brennelementesteuer 2017.


Mo 27.06.2016 | Treffen des Aktionsbündnis "Bielefeld steigt aus!"

Wie immer ab 18:30 Uhr im Umweltzentrum Bielefeld, August-Bebel-Str. 16-18

Themen:

  • Defekte in Grohnde
  • Petition "Ökostrom.STADT + Graustrom.ENDE" im Hauptausschuss
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